Es hätte schlimmer kommen können. Die UN-Weltklimakonferenz in Cancun hat zwar nur bescheidene Ergebnisse gebracht – aber immerhin. Ein abschließendes Fazit.
Das Papier, das nach knapp zwei Wochen zäher, aber relativ konstruktiver Verhandlungen und einem 2-Nächte-Abschluss-Tagungsmarathon letztlich am Samstagmorgen um ein Uhr nachts von den 194 Staaten beschlossen wurde, ist vor allem Lyrik: schöne Ziele, aber nichts dahinter. Immerhin aber gibt es einen rechtlich verbindlichen Grundkonsens und erste Schritte, auf denen man aufbauen kann.
Das Dokument erkennt an, dass die Industrieländer ihre Emissionen in den nächsten Jahren u 25 bis 40 Prozent reduzieren müssen. Auch das Ziel, die Erwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, wird verankert, einschließlich dem Auftrag, ein schärferes Ziel einer Begrenzung auf 1,5 Grad zu „prüfen“. Konkrete Reduktionspflichten gibt es nicht.
Die unverbindlich in Kopenhagen zugesagten 100 Milliarden Dollar jährlich ab 2020 für einen Klimafonds wurden nun rechtlich verbindlich zugesagt. Ein Gremium unter Ägide der Weltbank soll das überwachen. Woher das Geld kommen soll, an wen das Geld fließen soll, für was es ausgegeben werden soll, ist noch nicht beschlossen.
Erstmals wird im so genannten „REDD“ Mechanismus (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) der Schutz von Regenwald ökonomisch belohnt. Wer den Regenwald schützt, soll dafür Geld bekommen. Wer das Geld wofür bekommen soll, woher es kommen soll, ist auch hier noch unklar.
Ziviler Protest wird polizeilich aufgelöst
Die gute Tradition, die Verhandlungen gegenüber der Zivilgesellschaft zu öffnen, wurde in Cancun beerdigt. Der Gipfel war durch Polizei und Militär abgeriegelt, Zivilgesellschaft und Regierungsdelegierte separiert. Die Aktionen der Zivilgesellschaft fanden in Cancunmesse statt, einer eigens für den Klimagipfel gebauten Messehalle, gut 45 Minuten Busfahrt vom Stadtzentrum entfernt. Die Verhandlungen fanden im Moon Palace statt, einem 5-Sterne-Hotel weitere 30 Minuten entfernt.
Allein durch die weiten Strecken zwischen den Gebäuden wurde Protest und Beteiligung erdrückt. Nur einige kreative Aktionen des internationalen Jugendnetzwerks YOUNGO mischten den Gipfel etwas auf.
Am letzten Konferenztag stellte ich mich zusammen mit anderen jungen Leuten neben die Eingangstüren des Moon Palace. „Wir gehen nicht mehr weg, bis dieser Gipfel nicht eindeutige Ergebnisse verabschiedet“, rief ich den Journalisten zu. Nach zwei Stunden wurden wir unsanft von der Polizei abtransportiert.
Dazu mehr: „Die 14 von Cancun“ (http://www.klimaretter.info/klimagipfel-cancun/hintergrund/7533-die-14-von-cancun)
Video auf Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=A1Lnd_0-4wI